Kurz vor der Wende begann ich im damaligen West-Berlin Theologie zu studieren. Damals hatte ich das Gefühl, meinen Professoren sei es wichtiger, das Evangelium von Jesus Christus, seine Lehren und Ansprüche zu hinterfragen als sie zu verkündigen. Alles erschien relativ, von Menschen verändert und anpassbar. Und überhaupt müsse man die Texte im historischen Kontext lesen – heute seien sie nur noch begrenzt gültig.
Dann stieß ich auf die Barmer Theologische Erklärung von 1934, das letzte große Bekenntnis der Evangelischen Kirche. In der ersten These heißt es:
„Wir verwerfen die falsche Lehre, als könne und müsse die Kirche als Quelle ihrer Verkündigung außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anerkennen.“
Das hat mich verwirrt. Hat die Bibel nun Autorität – oder nicht? Ist sie Gottes Wort oder nur Menschenwerk?
Die Schrift selbst sagt:
„Jeder, der zu Jesus Christus gehört und so leben will, wie es Gott gefällt, muss mit Verfolgung rechnen … Darum bitte ich dich: Halte am Glauben fest … Von frühester Kindheit an bist du mit der Heiligen Schrift vertraut. Sie zeigt dir den Weg zur Rettung, den Glauben an Jesus Christus. Denn die ganze Heilige Schrift ist von Gott eingegeben. Sie soll uns unterweisen; sie hilft uns, unsere Schuld einzusehen, wieder auf den richtigen Weg zu kommen und so zu leben, wie es Gott gefällt“ (2. Timotheus 3,12–17 HfA).
Wenn die Bibel wirklich Gottes Wort ist, dann muss es Hinweise auf ihre Zuverlässigkeit geben. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Forschern, die die historische Authentizität der Evangelien so unvoreingenommen wie möglich geprüft haben – und überzeugende Belege gefunden haben. Daneben gibt es populärere Autoren wie den Theologen Lee Strobel oder den Kriminalisten und christlichen Apologeten J. Warner Wallace, die ihre Erkenntnisse für Laien verständlich aufbereiten.
Zwei Punkte unterstreichen für mich besonders die Autorität der Bibel:
- Textkritik: Die Bibel hält ihr stand. Es gibt Tausende von Dokumenten, die die Aussagen der ursprünglichen Verfasser bestätigen – vom frühesten bekannten Fragment des Johannesevangeliums (Kapitel 18, datiert um 125 n. Chr.) bis zu Tausenden antiker griechischer Manuskripte. Zum Vergleich: Das Leben Alexanders des Großen rekonstruieren Historiker aus Schriften, die über 400 Jahre nach seinem Tod entstanden und von nur zwei Autoren stammen. Und doch gelten sie als zuverlässig. Die Bibel ist hier weit besser belegt.
- Archäologie: Immer wieder bestätigen Funde die biblischen Berichte. 2005 wurde der Teich von Siloah identifiziert – dort, wo Jesus laut Johannes 9 den Blinden heilte. Schon im 20. Jahrhundert wurde der Teich Bethesda ausgegraben, an dem Jesus den Gelähmten heilte (Johannes 5). Viele Gelehrte hatten das Johannesevangelium abgelehnt, weil sie behaupteten, dieser Ort existiere gar nicht oder seine Form sei unzutreffend. Doch die Ausgrabungen bestätigten exakt die Beschreibung des Evangelisten.
Ich glaube: Wer die Liebe Gottes persönlich erlebt, wer entdeckt, dass Jesus lebt, rettet, versöhnt und heilt, braucht vielleicht gar keine Beweise. Aber sie helfen denen, die skeptisch sind oder die Bibel für ein Märchenbuch halten. Es ist gut, wenn wir nicht nur innerlich überzeugt sind, sondern auch Fakten kennen – gerade in Gesprächen mit Skeptikern.
Die Bibel hat Autorität, weil sie von Gott inspiriert ist. Sie ist Fundament unseres Glaubens – und sie kann heute für dich und mich lebendig werden, weil Gott direkt durch sie sprechen will. Aber das geschieht nur, wenn wir sie öffnen, lesen und ihr vertrauen, statt sie im Regal verstauben zu lassen.
Sei gesegnet!
„Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet“ (Albert Schweitzer).


